Kontextuelle Praxis               Start  Werke  Über Schmuck  Konzept  Artistic Research  CV


All the Wrong Lessons, Phantom, Prothesis, Traveller, Study for a Head, Monument, Untitled (Necklace), Parallels (Milk), Less Work for Mother, Doors (from Memory), Empire, Where I Lived, and What I Lived For, How to Disappear Completely, Cabin, Untitled (Fountain), Untitled (Pendulum), Wire Mother, Father Sings, Intra, 12 Hz, 37°C, Ghost, Garda, Playback, Untitled (Chess)



Less Work for Mother

2018
Pigmentdruck auf Papier nach einer Originalphotographie von Karl Schuhmann (1940 / 41), Passepartout, sichtbarer Ausschnitt 7,8 x 5 cm, gerahmt 
22 x 33,5 cm 

Schloss Hartheim bei Linz fungierte seit 1940 als eine der sechs Vernichtungsanstalten, in denen im Rahmen der NS-Euthanasie systematisch Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen getötet wurden. Bis zum offiziellen Abbruch der sogenannten Aktion T4 im Jahr 1941 fielen allein in Hartheim mehr als 18 000 Patientinnen und Patienten aus deutschen und österreichischen Psychiatrien und Pflegeheimen dem Massenmord zum Opfer. In der Umgebung Münchens war es besonders die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar (heute Isar-Amper-Klinikum), die unter dem Direktor Hermann Pfannmüller ‚lebensunwerte‘ Kranke nach Hartheim deportierte. Unter ihnen war meine Großtante Barbara (Babette) Hartard, geboren 1895. Sie hatte in Speyer, München und Heidelberg als Dienstmädchen gearbeitet und war 1924 als schizophren nach Eglfing eingewiesen worden. Nach der Eglfinger Transportliste vom 3. September 1940 wurde sie an diesem Tag zusammen mit 120 weiteren Frauen nach Hartheim verbracht, wo sie wenige Tage später in der Gaskammer starb. Kurz nach Einrichtung der Vernichtungsanstalt Hartheim photographierte ein Nachbar des Schlosses heimlich den qualmenden Krematoriumsschornstein. Das Bild ist das einzige Dokument, das die Tötungsmaschinerie in Betrieb zeigt. In der bearbeiteten Version ist der größte Teil der Ansicht durch das Passepartout verdeckt, nur der aus dem Kamin strömende Leichenverbrennungsrauch bleibt im Ausschnitt sichtbar.

‚Less Work for Mother‘ war seit den 1930er-Jahren der Slogan der Horn and Hardart Co. in Philadelphia und New York, der seinerzeit größten US-amerikanischen Gastronomiekette. Mitgründer der Gesellschaft war ein entfernter Cousin Barbara (Babette) Hartards, der 1850 in der Pfalz geborene und als Kind in die USA ausgewanderte Frank A. Hardart (Franz Anton Hardardt). Er etablierte das Markenzeichen des Unternehmens, die ‚Horn and Hardart Automats‘: kellnerlose Restaurants, in denen sich die Kunden aus gläsernen, von der Rückseite her befüllten und gegen Münzeinwurf sich öffnenden Fächern selbst bedienen konnten. Die Mitarbeiter, die zum Betrieb der Automaten nach wie vor benötigt wurden, verschwanden hinter der scheinbar selbsttätigen Apparatur, die das Produkt ihrer Arbeit präsentierte und zugleich den Menschen als Subjekt der Arbeit unsichtbar machte.

/

Ausstellung
,Less Work for Motherʻ, Museum Villa Stuck München, 2018 / Photo: Jann Awerverser